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Leder/Kunstleder

 

Möbelleder

Für Möbelleder werden hauptsächlich Rindshäute verwendet.
Diese werden gespalten und in der Regel weich zugerichtet. Unter Spalten versteht man einen längsseitigen Schnitt durch die Haut, vergleichbar mit dem Schmetterlingsschnitt bei einem Schnitzel; man erhält so zwei bis sogar drei Flächen von einer Haut!
Als Zurichten wird die Oberflächenbehandlung der Haut bezeichnet.
Hier wird über die Farbe der Haut bestimmt; desweiteren über die optische Erscheinung z.B. Porigkeit oder Strapazierfähigkeit und darüber, wie weich und geschmeidig das Leder sein soll.
Jedes Leder besteht aus miteinander verflochtenen Eiweißfasern, die durch Gerben in Lederfasern umgewandelt werden.
Gerben ist ein chemischer Prozess bei dem natürliche, biologische Bestandteile der Haut entzogen werden und durch künstliche ersetzt werden, um das Zersetzen der Haut zu verhindern. Man könnte sagen die Haut wird konserviert!
Die Oberseite der Haut wird als Narbenseite bezeichnet. In ihr finden sich die Poren des ehemaligen Haarkleides sowie die meisten Anomalien, wie z.B. Zeckenbisse und Narben wieder.
Die Unterseite wird als Fleischseite bezeichnet. Da Leder ein natürlich gewachsener Rohstoff ist gibt es Unterschiede in der Beschaffenheit, also in der Dicke und Festigkeit der Haut. Man spricht hier von der Stellung der Haut.
Bei der Beurteilung der Haut spielen Faktoren wie das Alter, Geschlecht, Ernährung sowie klimatische Bedingungen unter denen das Tier aufgewachsen ist eine große Rolle.
Das Bild zeigt die Einteilung einer Haut in verschiedenen Zonen.
Das beste Stück ist das Kernstück vom Rücken des Tieres gebildet. Es ist am dicksten und hat die dickste Struktur nach den Seiten und zum Kopf hin wird die Haut immer dünner und von der Struktur her immer loser. Je größer das Kernstück einer Haut ist und je weniger die dicke und Festigkeit der Haut nach den Seiten hin abfällt je höher ist die Qualität einer Haut. Somit ist die Stellung der Haut auch ausschlaggebend für den Preis.
Die schlechtesten Zonen einer Haut sind die Ansatzstellen von Bein zum Rumpf des Tieres, die Flämen genannt werden, besonders die Achselhöllen. Sie sind im Fasergefüge deutlich lockerer und daher besonders Faltig. Auf Ihrem Möbelstück können sich glatte sowie faltige Flächen befinden, in welchem Ausmaß ist zumeist Preisabhängig. Diese Strukturunterschiede geben Ihrem Möbelstück jedoch auch ein lebendiges Erscheinungsbild und gehören letztendlich zum tüpischen Erscheinungsbild. Folgend eine grobe Übersicht über die Lederarten, die in der Möbelbrange am häufigsten Anwendung finden und Tipps für die Identifizierung der Lederart sowie die Kaufendscheidung.

Glattleder

Als Glattleder werden alle Lederarten bezeichnet, die mit der sogenannten Narbenseite zum Betrachter hin verarbeitet wurden (erster Spalt der Haut. Siehe Einleitungstext) gedecktes, pigmentiertes Glattleder (geschlossenporig).
Anmutung: Recht kalt und fest im Griff!
Im Vergleich mit der menschlichen Haut eher künstlich wirkend.
Eigenschaften: Wasser dringt nicht durch die Oberfläche in das Leder ein und ist daher leicht sauber zu halten.
Erkennungshilfe: Feuchtigkeit mit Hilfe eines Fingers auf das Leder geben. Wird die Feuchtigkeit weckgesaugt ist es kein gedecktes/pigmentiertes Glattleder.
Alttagstauglichkeit: Diese Lederart gilt als robust und widerstandsfähig gegenüber den meisten Verschmutzungen die im alttäglichen Gebrauch auftreten und von Verfärbung durch Fremdtextilien einmal abgesehen, lassen sich Fett, Hausstaub u.s.w. recht unproblematisch entfernen.
Vorkommen: sehr häufig!
Preis: nach oben offen! Je nach der Dicke und Zusammensetzung der Deckschicht und der Stellung der Haut.

Anilinleder (offenporiges Glattleder)

Anmutung: Warm und deutlich weicher im Griff! Der Geschmeidigkeit der menschlichen Haut am ähnlichsten.Eigenschaften: Feuchtigkeit dringt recht zügig in das Leder ein und ist dadurch etwas problematisch in der Reinigung und Pflege.Erkennungshilfe: Wird die durch den nassen Finger aufgebrachte Feuchtigkeit weggesaugt und ist es mit einer Verdunkelung dieser Stelle verbunden ist es kein gedecktes Glattleder! Alltagstauglichkeit: Diese Lederart ist auf Grund der fehlenden Deckschicht wesentlich empfindlicher im alltäglichen Gebrauch. Die Oberfläche ist zwar in der Regel imprägniert, um vor den meisten Anschmutzungen zu bewahren, da sich diese Imprägnierung jedoch je nach Intensität der Nutzung mit der Zeit abreibt ist das Leder irgendwann sozusagen nackig und den Einwirkungen von außen schutzlos ausgeliefert. Verschmutzungen können in die Tiefe des Leders einziehen und sind quasi nicht entfernbar.
Hervorzuheben ist hier das sogenannte Verspecken.
Dieses Verspecken wird hauptsächlich durch die Einwirkung von Fett und Schweiß hervorgerufen. Solche Zonen stellen sich am Häufigsten an den Rückenlehnen oder Kopfstützen sowie an den Armlehnenpolstern ein, also überall wo direkter Hautkontakt stattfindet, z.B. durch den Kopf, die Arme oder Beine.
Weiter ist diese Lederart von allen die Empfindlichste. Fazit: Anilinleder ist etwas für Leute die etwas Besonderes wollen. Da es sich sehr weich und warm anfühlt und, von der Schutzimprägnierung einmal abgesehen, das naturbelassenste Leder ist, sozusagen die reinste Form, ist es zugleich die edelste Form ein Möbelstück zu bekleiden! Allerdings braucht es Achtsamkeit bei der Nutzung und Zeit bei der Pflege wie z.B. das regelmäßige Nachimprägnieren damit der Schutzfilm niemals verloren geht.
Es empfiehlt sich daher eher dunkle Farben zu wählen, Schwarz, Dunkelgrün, Dunkelblau, Dunkelrot usw.Vorkommen: eher selten! Preis: Eher teuer! Je nach Stellung der Haut.

Semianilinleder (offenporiges Glattleder)

Anmutung: recht warm und weich im Griff, im Vergleich mit der menschlichen Haut deutlich ähnlicher und wesentlich geschmeidiger als ein normales gedecktes Glattleder obwohl es selbst eins ist! Eigenschaften: Da auch hier eine gewisse Saugfähigkeit vorhanden ist, ist es empfindlich gegenüber Feuchtigkeit und Verspeckung. Alltagstauglichkeit: Semianilinleder ist ein Anilinleder, das mit einer geringen Deckschicht versehen wurde, gerade so, dass die weiche und warme Annutzung des naturbelassenen Anilinleders noch etwas erhalten bleibt. Dennoch ist es ein Kompromiss zwischen dem geschlossen porigen Glattleder und den rein offen porigem Glattleder. Es ist pflegebedürftig, hat aber dafür etwas von der edlen Besonderheit des reinen Anilins beibehalten. Vorkommen: Häufig! Bekannte Vertreter: Nappaleder long life-Leder oder Elderoado (hohe Lichtbeständigkeit) Preis: Nach oben offen! Je nach Stellung der Haut.

Spaltleder

Auch bekannt als Rauleder/Spaltleder/PU Leder/Bycastleder.

Bei der Spaltung einer Haut gewinnt man in der Regel zwei hälften, einmal den sogenannten Narbenspalt auf dessen Außenseite sich einmal das Fell des Tieres befand und einmal den sogenannten Fleischspalt.
Letzterer ist auf beiden Seiten rau/velour-artig und bezieht daher seine Bezeichnung als Rauleder, beziehungsweise Spaltleder!
Der Qualitätsunterschied zwischen den Narbenspalt (wird nach der Gerbung unter der Bezeichnung Glattleder geführt) und den Fleischspalt (wird nach den Gerben unter der Bezeichnung Spaltleder weitergeführt) wird deutlich wenn man betrachtet, dass die Haut nach der Innenseite hin, also in der Tiefe sozusagen, von der Struktur und Festigkeit her immer loser wird und somit z.B. an Reißfestigkeit abnimmt. In der Möbelbranche gilt Spaltleder eher als bedingt tauglich da es jedoch günstig ist findet es dennoch immer wieder den Weg dorthin. In der Regel wird es eingefärbt und z.B. für Korpusse oder auch als Spannteile im Rückenbereich oder den Armlehnen verwendet, was normalerweise das Spaltleder auch noch nicht an seine Grenzen führt.
Was jedoch nicht vorkommen sollte ist die Verwendung auf benutzbaren Flächen wie z.B. die Seitenteile eines Sitzkissenbezuges. Da dort Reibung sowie Zug und Dehnungskräfte auf das Spaltleder einwirken wird es schnell an seine Belastungsgrenzen geführt, Farbverlust, Einreißen oder Lochfraß sind die Folgen; also Augen auf und nachgefragt, Spaltleder ist Kennzeichnungspflichtig beim Verkauf. Ein Händler der die Verwendung von Spaltleder bei einem Sitzmöbel bewusst verschweigt begeht Etikettenschwindel!

Bycastleder / PU Leder

Eine Ausnahme bei der Anwendung von Spaltleder im Möbelbereich ist das beschichtete Spaltleder, auch Bycast- oder PU-Leder genannt.
Bei der Beschichtung wird das Spaltleder genau wie es von den Textilledern (Kunstleder) bekannt ist mit einer Kunststoffschicht überzogen, die aus Polyurethan ist. Diese Maßnahme gibt dem an sich schwachen Spaltleder genug Festigkeit, sodass auch Sitzflächen und Rückenlehnen damit bezogen werden können. Der Nachteil ist jedoch, dass es sich genauso kalt anfühlt wie Textilleder und keinerlei Atmungsaktivität zulässt. Eine weitere Eigenschaft ist, dass es leicht dazu neigt zu kleben, an der Haut oder auch Fläche an Fläche woran man es auch leicht identifizieren kann! Dafür spricht in erster Linie eine gewisse robuste antike Optik und dass es sich leicht Reinigen lässt. Und letztendlich spricht auch der Preis dafür, weil es zu den preisgünstigen Lederarten gezählt wird.

Seltene Lederarten im Möbelbereich

Velourleder
Äußerst anspruchsvoll in der Pflege! Velourleder wird in der Regel durchgefärbt und lediglich imprägniert und ist auf Grund seiner Struktur sehr anfällig für Sitzspiegelbildung, Verspeckung u.s.w..
Vorteil ist der sehr weiche und flauschige Charakter dieses Leders und die Neigung zum Changieren wenn man das mag. Am häufigsten ist es bei der Schuh- oder Textilfertigung anzutreffen.

Nubukleder (geprägtes Nubukleder)
Geprägte Nubukleder sind Leder auf dessen Oberflächen mit Hilfe von Walzen ein farbiges Muster geprägt wird. Es gibt die verschiedensten Muster, am häufigsten tritt es jedoch mit einer, dem normalen Narbenbild eines Glattleders entsprechenden Prägung auf.
Es ist recht pflegeintensiv aber reizvoll anzusehen!

Büffelleder
Das Büffelleder zeichnet sich in erster Linie durch seine robuste Optik aus. Es ist ein offenporiges Leder, das sich der Handhabung und Pflege mit dem Anilinleder gleicht. Es ist also fleckenempfindlich und bleicht mit zunehmendem Alter aus und auch das gute alte Versprechen z.B. im Nackenbereich der Rückenlehnen ist mit von der Partie sobald die Imprägnierung nachlässt!

Wischleder/Chesterfieldleder
Chesterfieldleder ist ein Glattleder, das mit einer Oberflächenfärbung versehen wird, die in der Regel recht hell ist. Auf diese Fläche wird dann eine zweite Farbschicht aufgetragen die dunkler ist. Dies wird mit der Hand gemacht, wobei die dunklere Farbe mit wischenden Bewegungen auf die hellere aufgetragen wird und so eine ungleichmäßige Zweifarbigkeit erzeugt wird, die diesem Leder einen gewissen Patinierungseffekt verleiht. Sehr beliebt bei Stielmöbeln z.B. Cocktailsessel oder Sitzmöbel, bei denen als Stielelement in die Rückenlehne sogenannte Pfeifen eingearbeitet werden u.s.w.. Es unterstützt also den Antiken Charakter enorm!

Blankleder
Es ist ein mit ausschließlich pflanzlichen Rohstoffen gegerbtes Leder, das sich vor allem durch seine Festigkeit und Dicke auszeichnet. Es kann in vielen Formen auftreten, ungefärbt, durchgefärbt, mit einer Pigmentschicht versehen oder sogar gefärbt!
Blankleder ist bei der Herstellung von Gürteln oder Reitsätteln nebst Zaumzeug eher anzutreffen als im Möbelbereich und ist besonders vor Austrocknen zu schützen.

Kunstleder

Kunstleder ist wie der Name schon sagt ein künstlich hergestelltes Material. Es kommt im großen Umfang überall um uns herum zum Einsatz, ob in der Textilbranche, im Kfz-Bereich; sogar bei Bodenbelägen. In der Möbelbranche findet es hauptsächlich im unteren bis mittleren Preissegment Anwendung. Auch bei Kunstleder gibt es starke Unterschiede in der Qualität und Haltbarkeit. Maßgeblich für die Haltbarkeit des Kunstleders ist der sogenannte Schichtträger, der in der Regel ein textiles Gewebe oder Gewirke sein kann. Letzteres gehört zu den stabileren Schichtträgern. Desweiteren ist die Mischung der einzelnen Komponenten der Deckschicht und die auf den Schichtträger aufgebrachte stärke der Deckbeschichtung maßgeblich; je dünner und dehnbarer das Kunstleder ist, je anfälliger ist es auch. Häufige Mängel sind eingerissene Nähte und Aufplatzen der Deckschichtung. Außerdem ist es empfindlich gegenüber säurehaltiger/lösungsmittelhaltiger Reiniger und direkter Sonneneinstrahlung, sowie starken Hitzequellen wie Heizkörper oder Leselampen, die sich zu nahe am Material befinden. Dadurch kann es zum Aushärten - ja sogar Ausbleichen kommen und irgendwann springt die Deckschicht auf wie ausgetrocknete Lippen im Winter. Ist dieser Effekt einmal aufgetreten ist das Kunstleder nicht mehr zu retten und Ihr Möbelhändler wird sich schwer tun solche Reklamationen anzuerkennen!
Aber es gibt noch einen wichtigen Feind Ihres Kunstleders: der unvermeidliche Schweiß der grob gesehen aus Fetten und Eiweißen, schlimmer jedoch aus Salzen besteht. Dieses Salz im Schweiß greift langsam aber sicher die in der Beschichtung enthaltenen Weichmacher an. Wir erinnern uns kurz, Weichmacher sind in sämtlichen Kunststoffen enthalten die uns umgeben und sorgen je nach Sinn und Zweck für die Dehnbarkeit und Flexibilität des Materials. Nimmt nun die Intensität der Weichmacher ab härtet das Kunstleder zusehends aus und wird ebenfalls aufplatzen oder so manche Sitzflächennaht wird reißen, da durch den Nähprozess das Material dort eh geschwächt ist. Also hilft regelmäßiges Reinigen der Fläche mit einem leichten pH-Wert-neutralen Reiniger die Haltbarkeit deutlich zu schützen. Leider wird bei einigen Verkäufern, wahrscheinlich verkaufsfördernd, oder aus Unwissenheit lediglich davon geredet, Kunstleder feucht zu wischen reiche völlig. Tja leider hat Wasser aber nun mal keine wirkliche fettlösende Wirkung und die im Fett enthaltenden Salze bleiben halt wo sie sind.

Beim Kauf
Beim Kauf ist in erster Linie zu erwähnen, dass es zwei hauptsächlich vorkommende Beschichtungssorten gibt die sehr wichtig für die Eigenschaften des Kunstleders sind zum einen ist da das PVC beschichtete Kunstleder was eher in das untere Preissegment gehört, da es in keiner Weise atmungsaktiv ist, eine recht hohe Reinigungs-/Scheuerempfindlichkeit hat und außerdem mit Temperaturschwankungen arge Probleme. Zum anderen ist das teurere aber deutlich haltbarere PUR (Polyurethan) beschichtete Kunstleder. Es ist im bestimmten Maße atmungsaktiv, ist deutlich temperaturbeständiger und die Abriebfestigkeit ist wesentlich höher. Außerdem ist das PUR-Kunstleder das Material, das dem echten Leder am ähnlichsten ist, weil es sich recht warm und weich anfühlt, aber dennoch trocken im Griff ist. Da kommt so mancher Profi bei der Bestimmung ob echt oder künstlich ins Grübeln. Die dem natürlichen Narbenbild eines echten Leders nachgebildete, auf die Beschichtung aufgeprägter Struktur, erschwert die Sache zusätzlich. Überhaupt ist zu sagen, dass Kunstleder im Möbelbereich absolut seinen Weg gemacht hat. Ständige Verbesserungen und Weiterentwicklungen führen zu immer hochwertigeren und naturidentischeren Kunstledern.
Die sicherste Methode Kunstleder zu erkennen ist auf die Rückenseite zu sehen, da sich dort textilier Schichtträger befindet.
Zu guter letzt sei noch erwähnt, dass die Händler verpflichtet sind darauf hinzuweisen, ob die ganze Ware oder einige Elemente aus Kunstleder bestehen. Wird das nicht getan ist es nach dem Kauf in jeder Hinsicht ein Reklamationsgrund, da man einem Leien nicht zu trauen kann wo manche Kenner der Branche Probleme haben.

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